24.08.2006 | solarmarkt
Gefährliche BP-Module

Da Anfang Juli die Anschlussdose eines BP Solar Systems überhitzte, musste BP Solar die Sicherheitsüberprüfung von Modulen der Produktionsjahre 2002 bis 2004 mit einer Gesamtleistung von 16,5 MWp veranlassen. Wir veröffentlichen hier die „Stellungnahme der Deutschen BP AG, Geschäftsbereich Solar, zur vorsorglichen Abschaltung von bestimmten Solarinstallationen.“

Original-Pressemitteilung

 


(Deutsche BP, 17.8.2006) – BP Solar wurde am 7. Juli darüber informiert, dass es einen Vorfall bei einem dachintegrierten Photovoltaik-System gegeben hat, bei dem sich die Anschlussdose eines so genannten Laminats überhitzt hatte und teilweise geschmolzen war. In diesem konkreten Fall wurde die darunter befindliche Dachlattenstruktur versengt. Aufgrund des potenziellen Risikos haben wir noch am selben Tag einen Systemingenieur zu dem betroffenen Kunden geschickt und die betroffene Anlage vorsorglich vom Netz getrennt.

Die Sicherheit unserer Kunden hat für uns höchste Priorität. Obwohl es in der Vergangenheit bereits versagende Anschlussdosen gegeben hatte, war die gesamte Anzahl der Fälle mit einer Ausfallrate von 0,03% sehr gering. Daher wurden diese Fälle als Einzelfälle behandelt, zumal sich herausstellte, dass sich auch die Ursachen der Defekte an den Anschlussdosen voneinander unterschieden. Nach Untersuchungen des jüngsten Falles – sowie drei ähnlicher Installationen – im Zeitraum vom 17. bis 20. Juli durch ein internationales Expertenteam, entschieden wir, dass dort, wo eine Anlage in der Nähe entflammbarer Dachmaterialien installiert ist, eine möglicherweise defekte Anschlussdose, ein – wenn auch geringes, so doch – unakzeptables Risiko darstellt.

Am 20. Juli starteten wir deshalb ein umfangreiches Programm, um alle BP-Indachanlagen mit Laminaten, die in den Jahren 2002 und 2003 produziert wurden, einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen. Während der laufenden Untersuchung stellten wir fest, dass BP-Indachanlagen nicht nur mit Laminaten (ohne Rahmen), sondern auch mit Modulen (mit Rahmen) errichtet wurden. Desweiteren könnte zudem auch eine geringe Anzahl nicht-dachintegrierter Systeme betroffen sein, wenn sie nahe an entflammbaren Materialien installiert wurden. Der Umfang unserer Untersuchungen wurde auf diese Systeme erweitert.
Wir können heute bestätigen, dass unser Fokus auf allen Produkten (d.h. Laminaten und Modulen) liegt, deren Typenbezeichnungen mit den Ziffern 3, 4 oder 5 beginnen (z.B. BP 3160, BP 4170, BP 5170) und die im Zeitraum 2002 bis 2004 gefertigt wurden. Betroffen sind sowohl dachintegrierte Anlagen sowie Systeme, die nahe entflammbarer Materialien installiert wurden.

– Wir haben unsere Distributeure und Projektpartner kontaktiert und sie aufgefordert, sämtliche dachintegrierten Anlagen sowie Systeme, die nahe entflammbaren Materialien installiert und im Zeitraum 2002 bis 2004 gefertigt wurden, abzuschalten. Achtung: Betroffene Anlagen dürfen nur von qualifiziertem Fachpersonal abgeschaltet werden! Anlagenbesitzer und Kunden werden ausdrücklich gebeten, unseren kostenfreien Experten-Service zu nutzen. Alle Installateure sind bundesweit informiert und stehen dafür zur Verfügung.
– Nach der Abschaltung werden wir alle Standorte der genanten Anlagen systematisch aufsuchen, um die Produkte und das jeweilige System zu überprüfen. Anlagen, die dem Sicherheitsstandard nicht entsprechen, werden wir auf- bzw. nachrüsten.
– Nur wenn unsere Ingenieure sowie hinzugezogene externe Experten eine Anlage als dauerhaft sicher ansehen, das heißt über die Laufzeit der Anlage (25 Jahre oder mehr), wird diese wieder ans Netz angeschlossen.
– Wir werden die Eigentümer der Anlagen für den entgangenen Energieertrag während der Dauer der Abschaltung entschädigen.
– Die Installateure werden für die von ihnen erbrachten Leistungen sowie in diesem Zusammenhang entstandene Kosten entschädigt.

Wir haben 15,2 MW an Laminaten, die vorwiegend in Indachsystemen zur Anwendung kamen, verkauft. Ferner haben wir weitere 1,3 MW an Indachsystemen identifiziert, bei denen Module verwendet wurden. Zusätzlich gehen wir von einer geringen Anzahl weiterer dachintegrierter Anlagen mit Modulen sowie Systemen, die nahe entflammbarer Materialien installiert wurden, aus. Die große Mehrheit aller Solar-Anlagenbesitzer ist nicht betroffen. Deshalb glauben wir, dass die effektivste Methode, um alle potentiell betroffenen Systeme zu identifizieren, die Nachverfolgung über die Installationsfirmen ist.

In den 27 Tagen seit Benachrichtigung unserer Distributeure und Projektpartner wurden 92 % der möglicherweise betroffenen Produkte von insgesamt 16,5 MW inspiziert, wieder angeschlossen oder abgeschaltet. Wir sind sehr zuversichtlich, kurzfristig auch die noch verbliebenen Anlagen zu sichern und zu überprüfen.

Wir haben für die Kommunikation zu diesem Vorfall auch andere Maßnahmen in Erwägung gezogen, sind jedoch überzeugt und durch die Rückmeldungen unserer Distributions- und Projektpartner bestärkt, dass unsere aktuelle Vorgehensweise die effektivste und bestmögliche ist. Gleichwohl werden wir unsere Vorgehensweise kontinuierlich überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

Sollte ein Installateur Zweifel haben, ob eine Anlage abzuschalten ist oder nicht, lautet unsere dringende Empfehlung, sie vorsorglich abzuschalten und uns dies mitzuteilen. Sobald eine Anlage bei uns registriert ist, können wir dem Vorgang nachgehen, indem wir den Anlagenbetreiber anschreiben und über den Sachverhalt, die Abwicklung der Sicherheitsüberprüfung und das Kompensationsschema informieren.
Wir möchten noch einmal hervorheben, dass die Sicherheit unserer Kunden für uns höchste Priorität besitzt. Wir entschuldigen uns bei allen Beteiligten für die entstandenen Unannehmlichkeiten und arbeiten mit Hochdruck daran, die Sicherheit der betroffenen Systeme wiederherzustellen.

Neben den erwähnten Maßnahmen werden wir die gemeinsam mit unabhängigen Fachleuten wie z.B. dem TÜV gewonnenen Erkenntnisse anderen Photovoltaik-Herstellern und -Verbänden mitteilen und anregen die derzeit gültigen Industriestandards bei einer Konferenz der Photovoltaik-Hersteller im September einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.

Bei Fragen jedweder Art sollten Anlagenbetreiber und Kunden die kostenlose BP Solar Telefon-Hotline, Montag bis Freitag, zwischen 08.00 und 18.00 Uhr unter 0800 – 272 5 272 anrufen oder ihren Installateur kontaktieren.


Anmerkung der solarcontact-Redaktion: Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) sucht hier Installateure und Betreiber mit Schadensbildern an BP Solar Modulen. Die DGS möchte eine unabhängige Ermittlung erreichen und BP Solar bei der Lokalisierung der Schäden unterstützen.

Quelle: Deutsche BP AG, Geschäftsbereich Solar

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